Freitag, 16. Oktober 2026

Wirtschaft

Europas neue Souveränität im Orbit: Die spannendsten Raumfahrt-Aktien abseits von SpaceX

Zwei erfolgreiche Raketenstarts im September markieren eine Zeitenwende für die europäische Raumfahrtindustrie. Für weitsichtige Anleger eröffnen sich durch den Drang nach technologischer Unabhängigkeit hochinteressante Opportunitäten bei etablierten Großkonzernen und fokussierten Spezialisten.

Christian Roth

Von Christian Roth

Er spürt für unsere Leser die Renditechancen abseits der bekannten Pfade auf – von Rohstoffen bis hin zu Krypto-Assets als Depotbeimischung. Mit seinem wöchentlichen Newsletter behält er auch in volatilen Marktphasen stets einen kühlen Kopf. · · 3 Min.

Europas neue Souveränität im Orbit: Die spannendsten Raumfahrt-Aktien abseits von SpaceX
Bild zur Meldung: Europas neue Souveränität im Orbit: Die spannendsten Raumfahrt-Aktien abseits von SpaceX

Lange Zeit schien der Weg in den Weltraum eine fast ausschließliche Domäne von US-Akteuren zu sein. Vor allem Elon Musks SpaceX dominierte das Geschäft mit Satellitentransporten. Doch geopolitische Spannungen und der Wunsch nach strategischer Autonomie zwingen Europa zum Umdenken. Dass der Kontinent fähig ist, eigene Akzente zu setzen, bewies ein erfolgreicher Doppelstart im September: Erst schoss der Münchner New-Space-Pionier Isar Aerospace seine Spectrum-Rakete vom norwegischen Andøya erfolgreich in den Orbit – der erste Orbitalstart vom europäischen Festland überhaupt. Nur zehn Tage später brachte die Vega-C des italienischen Herstellers Avio zwei hochmoderne Erdbeobachtungssatelliten ins All.

Für Investoren markieren diese Ereignisse mehr als nur technologische Meilensteine. Sie sind der Startschuss für einen Markt, der sich laut Prognosen der Privatbank Berenberg von rund 500 Milliarden US-Dollar im Jahr 2025 auf über eine Billion US-Dollar im Jahr 2030 verdoppeln soll. Wer vom Boom der europäischen Weltraum-Infrastruktur profitieren will, muss den Blick jedoch über die reinen Raketenbauer hinaus auf die gesamte Wertschöpfungskette richten.

Thales und Leonardo: Die Profiteure im Verborgenen

Ein weit verbreiteter Irrtum unter Privatanlegern ist es, den Fokus ausschließlich auf die spektakulären Starts von Trägerraketen zu legen. Die tatsächliche und nachhaltige Wertschöpfung findet jedoch im Orbit und am Boden statt. Das US-Analysehaus Morningstar sieht daher in den europäischen Rüstungs- und Technologiekonzernen Thales und Leonardo die klarsten Gewinner des aktuellen Trends.

Die operative Stärke dieser beiden Giganten zeigt sich in ihrem Joint Venture Thales Alenia Space. Das Gemeinschaftsunternehmen agierte beim jüngsten Vega-C-Start als Hauptauftragnehmer für beide Satelliten (Sentinel-3C und FLEX). Durch ihre zusätzliche Beteiligung am Dienstleister Telespazio decken Thales und Leonardo zudem den gesamten nachgelagerten Markt ab – vom Satellitenbetrieb über die Datenverarbeitung bis hin zu Wartungsdiensten im Orbit. Für konservative Anleger bieten diese beiden Titel eine hervorragende Möglichkeit, mit einer soliden fundamentalen Basis im Rücken am Wachstumsfeld Raumfahrt zu partizipieren, ohne die hohen Risiken reiner Start-up-Wetten eingehen zu müssen.

Rheinmetall: Taktische Aufklärung als Wachstumstreiber

Einen dezidiert militärischen und hochgradig fokussierten Zugang zum Weltraummarkt bietet die Aktie von Rheinmetall. Der Düsseldorfer DAX-Konzern baut seine Präsenz im All über eine strategische Partnerschaft mit dem finnischen Radar-Spezialisten ICEYE kontinuierlich aus. Der Fokus liegt hierbei auf weltraumgestützten Aufklärungssystemen, die in modernen Konflikten eine entscheidende Rolle spielen.

Das Marktpotenzial ist enorm: Das Marktforschungsunternehmen Novaspace prognostiziert, dass sich die Anzahl der Starts militärischer Aufklärungssatelliten im kommenden Jahrzehnt vervierfachen wird. Rheinmetall positioniert sich hier als Systemintegrator, der die Brücke zwischen orbitaler Datenerfassung und militärischer Nutzung am Boden schlägt. Die Aktie bleibt damit nicht nur ein Profiteur steigender Verteidigungsbudgets auf der Erde, sondern gewinnt eine hochattraktive technologische Zusatzfantasie im Orbit.

OHB und Avio: Die europäischen Pure-Plays

Während Konzerne wie Rheinmetall oder Thales die Raumfahrt als ein Segment unter mehreren führen, existieren in Europa nur wenige börsennotierte Unternehmen, die als reine Raumfahrtwerte eingestuft werden können. Die Analysten von Berenberg haben jüngst die Coverage für diesen Sektor aufgenommen und dabei zwei europäische Namen besonders hervorgehoben: den Bremer Satellitenbauer OHB und den italienischen Antriebs- und Raketenspezialisten Avio.

Sowohl OHB als auch Avio weisen eine extrem hohe Sensitivität gegenüber staatlichen und europäischen Förderprogrammen auf. Sie sind die logischen Partner, wenn die Europäische Weltraumorganisation (ESA) oder die EU-Kommission Aufträge zur Wahrung der technologischen Souveränität vergeben. Allerdings sollten Anleger beachten, dass diese Pure-Plays im Vergleich zu den diversifizierten Großkonzernen eine deutlich höhere Volatilität aufweisen. Projektverzögerungen oder Fehlstarts können hier unmittelbare, spürbare Auswirkungen auf den Aktienkurs haben.

Strategische Einordnung für das Depot

Der europäische Weg ins All ist keine kurzfristige Modeerscheinung, sondern eine geopolitische Notwendigkeit. Für das Depot bedeutet dies: Wer vom Megatrend Raumfahrt profitieren möchte, muss nicht zwangsläufig auf hochbewertete US-Titel ausweichen.

Für risikobewusste Anleger bieten die etablierten Player Thales und Leonardo dank ihrer breiten Aufstellung das beste Chance-Risiko-Verhältnis. Rheinmetall liefert das dynamischste Momentum durch die Kombination aus klassischem Rüstungsgeschäft und moderner Satellitenaufklärung. OHB und Avio eignen sich hingegen primär als spekulative Beimischung für Portfolios, die gezielt auf die europäische Unabhängigkeit im Weltraum setzen wollen.

Eigenständig verfasst von der Anlageblick-Redaktion. Recherchegrundlage: finanzen.net. Angaben ohne Gewähr, keine Anlageberatung.

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